Die kurze Antwort
llms.txt ist ein Community-Vorschlag, der KI-Systemen eine kuratierte, maschinenfreundliche Übersicht der wichtigsten Inhalte einer Website anbietet. Technisch ist es eine Markdown-Datei im Wurzelverzeichnis, erreichbar unter deine-domain.de/llms.txt. Ein offizieller Standard ist es nicht, und kein großer Anbieter hat die Auswertung bisher zugesagt.
Wo der Unterschied zu robots.txt liegt
Die beiden Dateien klingen ähnlich, tun aber Gegensätzliches. Die robots.txt regelt den Zugriff: Sie sagt Crawlern, was sie abrufen dürfen und was nicht. Die llms.txt regelt nichts, sie bietet an: Sie verweist KI-Systeme auf die wichtigsten, sauber aufbereiteten Inhalte. Die eine ist eine Schranke, die andere ein Wegweiser.
Wie du den Zugriff der Bots über die robots.txt tatsächlich steuerst, steht im Guide Welche AI-Crawler gibt es und wie steuerst du sie?.
Der ehrliche Teil: Wer wertet das aus?
Hier trennt sich die nüchterne Einordnung vom Hype. Bis heute ist keine offizielle Unterstützung von llms.txt durch die großen Crawler dokumentiert. Die Anbieter hinter ChatGPT, Google Gemini und AI Overviews, Perplexity, Claude, Microsoft Copilot und Grok haben nicht bestätigt, dass sie die Datei lesen oder gewichten. Belastbare Zahlen zu einem messbaren Effekt gibt es entsprechend nicht.
Wer dir eine garantierte Wirkung von llms.txt verspricht, überschreitet also den belegbaren Stand. Sollte ein Anbieter die Auswertung künftig offiziell zusagen, ändert sich diese Einschätzung, und dann findest du die Quelle an dieser Stelle.
Ein Blick zurück hilft bei der Einordnung. Auch frühere, gut gemeinte Dateiformate haben sich nie durchgesetzt, weil die großen Anbieter sie schlicht ignoriert haben. Ob llms.txt diesen Weg geht oder doch Rückhalt findet, ist heute offen. Deshalb trägt der nüchterne Blick weiter als die Wette auf einen künftigen Standard.
Warum es sich trotzdem lohnen kann
Gegen das Anlegen spricht wenig. Der Aufwand ist klein, Schaden entsteht keiner, und die Datei zwingt dich zu einer nützlichen Übung: die eigenen Kerninhalte zu benennen und in eine klare Reihenfolge zu bringen. Diese Kuratierung hilft ohnehin, egal ob ein Crawler die Datei je liest.
Am ehesten sinnvoll ist llms.txt für Sites mit viel Dokumentation und für Tool-Anbieter, deren Wert in strukturierten Anleitungen und Referenzen steckt. Für eine kleine Firmenseite mit fünf Unterseiten bringt sie dagegen kaum etwas.
Ein zweiter Nebeneffekt wiegt oft schwerer als der erste. Die Übung schärft dein eigenes Bild davon, was auf deiner Seite wirklich zählt. Viele merken beim Erstellen der Datei zum ersten Mal, dass ihre wichtigste Information drei Klicks tief vergraben liegt. Allein diese Erkenntnis rechtfertigt den Aufwand, egal ob je ein Crawler die Datei abruft.
So ist die Datei aufgebaut
Die Spezifikation ist bewusst schlicht: ein H1 mit dem Namen, ein kurzer Beschreibungssatz als Blockzitat, danach thematische Abschnitte mit Link-Listen, jeweils mit einer knappen Erklärung. Ein Minimalbeispiel sieht so aus:
# Meine Firma > Lokale KI-Infrastruktur und Beratung aus Österreich. ## Dokumentation - [Erste Schritte](https://example.com/start): Einstieg in wenigen Minuten - [API-Referenz](https://example.com/api): alle Endpunkte im Überblick ## Optional - [Blog](https://example.com/blog): Hintergründe und Updates
Du legst die Datei als llms.txt ins Wurzelverzeichnis, dorthin, wo auch deine robots.txt liegt. Mehr braucht es nicht.
Der Titel nennt, worum es geht. Das Blockzitat fasst in einem Satz zusammen, wofür die Seite steht. Die Abschnitte danach gruppieren verwandte Links, damit ein Modell den Aufbau erfasst. Halte die Beschreibungen konkret, denn sie sind der eigentliche Hinweis darauf, welcher Link zu welcher Frage passt.
llms.txt oder sitemap.xml?
Beide Dateien liegen im Wurzelverzeichnis und listen Links, verfolgen aber verschiedene Ziele. Die sitemap.xml ist eine möglichst vollständige Liste aller URLs, gedacht für Suchmaschinen-Crawler, ohne Wertung und ohne Beschreibung. Die llms.txt ist gerade keine vollständige Liste. Sie ist eine bewusste Auswahl deiner besten Inhalte, jeweils mit einem Satz Kontext. Die Sitemap sagt sinngemäß „hier ist alles", die llms.txt sagt „das solltest du zuerst lesen".
Wer schon eine gepflegte Sitemap hat, ersetzt sie mit llms.txt also nicht. Die eine bleibt der vollständige Index für die klassische Suche, die andere kommt als kuratierte Ergänzung für KI-Systeme dazu.
Was reingehört und was nicht
Kurz halten ist hier eine Tugend. In die llms.txt gehören die Seiten, die deine Kernthemen am besten erklären, etwa die zentrale Dokumentation und die wichtigsten Anleitungen. Jeder Link bekommt eine knappe, ehrliche Beschreibung, damit ein Sprachmodell den Zweck sofort einordnet. Draußen bleibt alles, was du auch aus der Sitemap heraushalten würdest, also dünne Tag-Archive oder Login-Seiten.
Der Abschnitt am Ende, in der Spezifikation „Optional" genannt, ist für Inhalte gedacht, die ein Modell überspringen darf, wenn der Platz knapp wird. So legst du eine Reihenfolge fest, falls die Datei überhaupt gelesen wird.
Wichtiger als die Datei ist der Inhalt
llms.txt kann ein Wegweiser sein, ersetzt aber keine lesbare Website. Solange deine Kerninhalte erst per JavaScript entstehen oder in Werbesprache ertrinken, hilft auch die beste Übersichtsdatei nicht. Wie Crawler deine Seiten überhaupt verarbeiten, erklärt der Guide Wie AI-Crawler Websites lesen. Der readableAudit-Scan zeigt dir, wie es um die Lesbarkeit und Substanz deiner eigentlichen Inhalte steht.